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Auf den Spuren des Großvaters

27. Mai 1931:

Der Einstein-Schüler und Abenteurer Auguste Piccard und sein Assistent Paul Kipfer legen nach dem ersten Stratosphärenflug auf 15.781 Meter mit einem Gasballon eine spektakuläre Notlandung am Gurgler Gletscher hin – die Nachricht der erfolgreichen Bergung der beiden Wissenschaftler macht das abgeschiedene Bergdorf Obergurgl über Nacht international bekannt. 85 Jahre später: Enkel und ebenfalls Abenteurer von Weltruhm Bertrand Piccard kehrt das 1. Mal an jenen Ort zurück, der den Mythos der Schweizer Forscherfamilie begründet – und zeigt sich emotional berührt.

Wie der Vater, so der Sohn, so der Enkel

Mit dem Aufstellen von Rekorden ist die Familie Piccard bestens vertraut. Der Stratosphärenforscher Auguste Piccard stellte mit seiner Kugelgondel 1931 einen Höhenrekord als Ballonfahrer auf – und war der erste Mensch, der die Erdkrümmung mit eigenen Augen sehen konnte. Gestartet im deutschen Augsburg landete sein Luftfahrzeug siebzehn Stunden später außerplanmäßig auf dem Gletscher in Obergurgl – die Geschichte über die Bergung der beiden Pioniere ging um die Welt.

Dessen Sohn Jaques Piccard wiederum zog es nicht in die Lüfte, sondern in die Tiefen der Weltmeere. Bis heute gilt Jaques Piccard als einer der bedeutendsten Erneuerer der Tiefseeforschung und brach im Marianengraben den Rekord im Tiefseetauchen. Womit wir bei der 3. Generation der Forscherfamilie und somit in der Gegenwart angelangt wären: Bertrand Piccard, Sohn von Jaques Piccard bzw. Enkel von Auguste Piccard.

Bertrand Piccard & André Borschberg

Bertrand Piccard (re.) und sein Partner André Borschberg nach erfolgreicher Weltumrundung mit dem Leichtflugzeug „Solar Impulse 2“

In der 3. Generation zurück in die Lüfte

Wie seinen berühmten Großvater zog es auch Bertrand in luftige Höhen. 1999 gelang ihm im dritten Anlauf die erste Nonstop-Ballonfahrt rund um die Erde. Im Jahr 2016 konnte er eine weitere technische Leistung von Weltrang für sich verbuchen: Gemeinsam mit Partner André Borschberg  umrundete er mit dem Solarflugzeug „Solar Impulse 2“ die Welt. Nach 17 Etappenflügen rund um den Globus erreichten die beiden Piloten den Zielflughafen in Abu Dhabi nur mit Kraft der Solarenergie. Und reihte sich mit dieser fliegerischen Glanztat nahtlos in die Ahnenreihe seiner Vorfahren ein.

85 Jahre nach der Notlandung seines Großvaters stattete Bertrand Piccard nun Obergurgl-Hochgurgl erstmalig einen Besuch ab – und überflog gemeinsam mit Lukas Scheiber, Vorstandsmitglied von Ötztal Tourismus, die historische Absturzstelle.

 

"Ich habe mein ganzes Leben von diesem Platz gehört, wo mein Großvater 1931 auf dem Gletscher gelandet ist. Nun konnte ich diesen endlich selber sehen. Das hat mich sehr berührt"

Die Spuren Piccards sind bis heute im Ort allgegenwärtig

Das Schicksal von Auguste Piccard und dessen Notlandung ist eng mit dem Aufstieg des Ortes verbunden. Schließlich gilt der einschneidende Moment im Leben der beiden Wissenschaftler auch als Initialzündung für die erfolgreiche Entwicklung von Obergurgl-Hochgurgl zur Urlaubsdestination. Die Spuren Auguste Piccards sind bis heute im Ort gut erkennbar –  sei es nun der Piccard-Saal oder das Piccard-Denkmal in der Ortsmitte von Obergurgl.

 

 

"Die Piccard-Landung war der Startschuss für den internationalen Tourismus im hinteren Ötztal. Unser Ort erlangte durch unzählige Presseberichte viel Aufmerksamkeit. Anfang der 1930er Jahre ging es dann richtig los mit dem Wintertourismus!"

Lukas Scheiber (Vorstandsmitglied Ötztal Tourismus)

 

Aber auch in der Popkultur hat die Familie Piccard ihre Spuren hinterlassen. Der Zwillingsbruder von Auguste Piccard etwa diente als Namensgeber für Captain Jean-Luc Piccard aus Star Trek (im deutschsprachigen Raum unter „Raumschiff Enterprise“ bekannt). Auguste Piccard selbst diente als Vorbild des Professors Bienlein aus der Comicreihe Tim & Struppi, wie Zeichner & Erfinder der Figuren, Hergé, kurz vor seinem Tod verriet.

Obergurgl-Hochgurgl Ortsaufnahme

Obergurgl-Hochgurgl: Raum für wissenschaftlichen Austausch

Anlass für die Visite von Bertrand Piccard im Ötztal war auch das 50. Jubiläum des Fortbildungskurses der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde. Dabei sprach der Abenteurer, der ebenfalls Psychiater ist, vor 350 Fachärzten aus dem deutschsprachigen Raum über das „Solar Impulse 2“-Projekt und die Geschichte der Piccards – zu erzählen gab es wohl genug. Überhaupt ist der Konnex zwischen Kinder- bzw. Jugendmedizinern und dem Schweizer Psychiater ein naheliegender: Bertrand Piccard setzt sich nämlich mit seiner Stiftung „Winds for hope“ für Kinder ein, die von der Noma-Krankheit betroffen sind.

Prominenter Besuch in der „Stammtischgondel“

Mit seinen eigenen Kindern möchte er rasch nach Obergurgl-Hochgurgl zurückkehren, zeigte sich der begeisterte Wintersportler doch von den Bedingungen auf und abseits der Piste beeindruckt. Für Manuel aus Obergurgl-Hochgurgl hat sich der äußerst umgängliche Tausendsassa Bertrand Piccard extra Zeit genommen, um ihm im Rahmen der „Stammtischgondel“ Rede und Antwort zu stehen – ein spannendes und hörenswertes Gespräch!

(Untertitel in Deutsch bzw. Englisch können eingeblendet werden)

Gästebucheintrag von Bertrand Piccard

Gästebucheintrag von Bertrand Piccard

Autor: Benedikt Steiner

Sobald Bewegung im Spiel ist, wird Benni hellhörig! Als begeisterter Snowboarder, Biker, Kletterer & Wanderer gibt es für ihn keinen besseren Outdoor-Spielplatz als das Ötztal. Still sitzen können andere besser, deshalb ist Benni viel auf den Trails und unverspurten Hängen des Tals unterwegs.
 

Benedikt Steiner
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