Historisches zu Obergurgl

Obergurgl ist ein Dorf der Gemeinde Sölden im Hinteren Ötztal. Es liegt auf einer Seehöhe von 1.927 m und gilt damit als höchstgelegenes Kirchdorf Österreichs.

Die Ortsbezeichnung „Gurgl“ findet sich 1250 erstmals urkundlich im Namen eines Dienstmannes der Herren von Montalban aus dem Vinschgau erwähnt: „Heberhardus von Gurgele“. Zurückgeführt wird der Name auf die Bezeichnung „Gurgall“: „Ort im Gletscherkranz“.

Die Spuren der ersten Besiedelung reichen zurück bis 7.500 v. Chr., die ersten Nachweise von Brandrodung und Weidewirtschaft im Raum Obergurgl gibt es ab etwa 4.500 v. Chr.

Um 1760 lebten in Gurgl ca. 200 Menschen. Sie betrieben vor allem Landwirtschaft, insbesondere Viehzucht. Zur Sicherung der Existenzgrundlage wurden auch andere Tätigkeiten ausgeübt, vor allem das Weben. Laut eines Berichtes im „Tiroler Boten“ von 1821 waren im Ötztal fast alle Bauern im Winter als Leinenweber oder Lodenwirker tätig. Flachs wurde im Tal angebaut und auch über das Timmelsjoch ins Passeier zum Verspinnen verkauft.

Durch den im 19. Jahrhundert einsetzenden Wandel des Konsumverhaltens in den Absatzgebieten reichten diese Tätigkeiten aber nicht mehr zur Existenzsicherung aus. Dies führte zunächst zu einem starken Bevölkerungsrückgang. 1910 lebten nur noch 39 Menschen in Obergurgl. Die Abwanderungswelle wurde aber im frühen 20. Jahrhundert durch den einsetzenden Alpinismus gestoppt.

Am 27. Mai 1931 landete Auguste Piccard, nachdem er mit 15.785 Metern einen neuen Höhenrekord mit dem Ballon aufgestellt hatte, am Gurgler Ferner. Dort musste er eine Nacht verbringen, ehe er von Obergurgl aus geborgen werden konnte. An diese Landung erinnert ein 1989 errichtetes Denkmal, auch der Piccardsaal ist nach ihm benannt.

Das 20. Jahrhundert brachte für Obergurgl die Entwicklung zu einem Wintersportort. Bereits 1949 wurde der erste Schlepplift in Obergurgl errichtet, gefolgt vom Sessellift auf die Hohe Mut im Jahr 1953. 1960 wurden die Timmelsjoch-Hochalpenstraße fertiggestellt und das Hoteldorf Hochgurgl erbaut.

Quelle und Infos: Alpine Forschungsstelle Obergurgl, Universität Innsbruck

Der Mann aus dem Eis

„Ötzi“ – der Hirte und Steinzeitjäger

Der sensationelle Fund des „Mannes aus dem Eis“, der 1991 nach 5.300 Jahren nahe dem Hauslabjoch in 3.210 m Höhe aus dem Gletscher ausgeapert ist, hat der Suche nach Spuren des Menschen in großer Höhe neuen Auftrieb verliehen. Ein bedeutender Hinweis auf jahrtausendealte Traditionen sind die alljährlich stattfindenden Schaftriebe von Südtirol über den Alpenhauptkamm auf die Hochweiden des Hinteren Ötztales. Das Ergebnis der Forschung beweist: Auch „Ötzi“ war ein Hirte, der gleichzeitig der Jagd nachgegangen ist, um sich selbst zu verpflegen. Nachforschungen der Universität Innsbruck haben seit 1991 zahlreiche Fundorte und Rastplätze aus der Jungsteinzeit ans Tageslicht gebracht, die zu einer Zeitreise auf den Ötztaler Urwegen anregen.